Samstag, 28. April 2012

Morgen geht's los...

Morgen startet der Hamburg-Marathon 2012! Zeit also, einmal ein letztes Update zu bringen.

Leider hatte ich dieses Jahr beruflich bedingt recht wenig Zeit, mich mit dem aktiven Bloggen zu befassen. Meine wenige Freizeit habe ich lieber dem aktiven Sport gewidmet, und nicht dem Schreiben darüber.

Insgesamt stehen dieses Jahr nun 1.168 Trainingskilometer zu Buche, gelaufen in einem durchschnittlichen Tempo von 5:11 min/km bzw. 11,5 km/h. Verteilt sind diese Kilometer auf 74 Trainingseinheiten. Eine Trainingseinheit ist somit im Schnitt 15,9 km lang gewesen.

Für den Hamburg-Marathon plane ich ein Tempo von 4:30 bis 4:25 min/km an. Meine geplante Zielzeit bewegt sich somit zwischen 3:10h und 3:07h.

Wenn ich mir jedoch den Wetterbericht anschaue, der sonniges Wetter bei 16 Grad vorhersagt, dann wird es wohl eher in Richtung 3:10h gehen.

Im Gegensatz zum letzten Jahr möchte ich diesmal gerne wieder ohne Gehpausen durchkommen. Meine in Frankfurt im Herbst aufgestellte Bestzeit von 3:14:42h möchte ich ebenfalls knacken.

Live-Ergebnisse am 29.04.2012:


Meine Zwischenzeiten können ab Startschuss (09:00 Uhr) unter folgendem Link live im Internet verfolgt werden: hamburg.r.mikatiming.de

Ein Wettkampfbericht folgt in den kommenden Tagen. :)

Update

Meine Zielzeit: 3:08:38 Stunden, es lief also alles sehr gut. Ein kleiner Bericht folgt wie versprochen in Kürze. :)

Freitag, 20. April 2012

Trainingslager Türkei 2012

Vom 21. März 2012 an war ich für 14 Tage mit Peter Greif im Trainings-Urlaub in der Türkei. Wie es mir dort erging, möchte ich in diesem Bericht kurz zusammenfassen.

Tag 1: Mittwoch, 21. März 2012
Anreise

Per Ferienflieger ging's von Hamburg-Airport nach Antalya, von dort per Bus in das "Sea World Resort" in Kızılağaç bei Manavgat, an der türkischen Riviera.

Leider kam ich erst um 16:45 Uhr am Hotel an und konnte nur noch sehen, wie einige Läufer zur ersten abendlichen extensiven Laufrunde aufbrachen. Egal, ich war eh schon recht müde von der langen Anreise und meiner langen 38-km-Runde zwei Tage zuvor.


Tag 2: Donnerstag, 22. März 2012
10-km-Lauf "ohne Uhr"

Um 07:45 Uhr war wie fast jeden Morgen ein rund 20-minütiges Athletiktraining mit anschließendem regenerativen Lauf über 5 bis 10 km, je nach Leistungsklasse, Lust und Laune. Ich lief stets 5 bis 6 km, was für meinen Teil auch ausreichte.

Das Athletiktraining wurde von dem "fetten Physio" Carsten sowie Robert durchgeführt. Carstens Leistung möchte ich an dieser Stelle einmal kurz erwähnen: Er hat jeden Morgen das Athletiktraining durchgeführt. Zudem hat er nahezu das volle Trainingsprogramm aktiv mitgelaufen, und tagsüber musste er sich durch Aberdutzende Läuferbeine und -rücken kneten. Zwei Wochen lang Knochenjob, davor ziehe ich meinen Hut. Ich konnte tagsüber fast nur noch schlafen... :)

Abends an diesem Tag stand ein 10-km-Lauf unter Wettkampfbedingungen an, als Besonderheit "ohne Uhr". Dies gilt zum Einen als "Leistungstest", um seine Form zu Beginn des Trainingslagers zu bestimmen, und zum Anderen, um so eine Einteilung der ca. 50 Läuferinnen und Läufer in grobe "Leistungsgruppen" vorzunehmen, die später gemeinsam die Trainingseinheiten bestreiten sollen.

Da sich in unmittelbarer Nähe des Hotels nur Baustellen und wilde Mülldeponien befanden, holte uns ein angemieteter Bus für das Training ab und brachte uns einige wenige Kilometer weiter auf eine wenig befahrene Seitenstraße / Sackgasse, die schnurgeradeaus und relativ ebenerdig verlief. Auf dieser Strecke sollten alle unsere Tempoeinheiten stattfinden.

Jeder Läufer bezahlte 3 Euro in einen Pott, den es für den Gewinner dieses Rennens zu holen galt. Jedoch gewinnt hier nicht der schnellste Läufer (was im Falle von Robert recht vorhersehbar war, er lief dann auch 34:48 Minuten), sondern derjenige, der seine Zeit am genauesten vorhersagt. Also gaben wir alle am Abend zuvor unsere geschätzten Zielzeiten kund, welche in einer Liste festgehalten wurden.

Ich hatte überhaupt keine Ahnung, welche Zeit ich laufen könnte. Leider hatte ich dieses Jahr noch gar keine Wettkämpfe gelaufen, und brachte aus dem Vorjahr eine 41:06 Minuten über 10 km mit. Diese Zeit gab ich dann auch als Schätz-Zeit an.

Dann ging es endlich los: In einem Höllentempo jagte das Feld los, schnell waren die starken Läufer mit deutlichem Vorsprung vor mir, und hinter mir fielen die langsameren zurück. Eine 2,5 km langen Pendelstrecke galt es zweimal abzulaufen, um auf 10 km zu kommen.

Auf dem dritten Teilstück kämpfte sich ein anderer Läufer laut keuchend von hinten an mich heran, doch auf dem letzten Teilstück konnte ich nochmal einen Zahn drauflegen und ihn abschütteln.

Als Zwölfter lief ich über die Ziellinie. Aber wie dicht lag ich an meiner Vorgabe? Das wurde erst nach dem Abendbuffet im Konferenzraum des Hotels gelüftet, bis dahin blieben die Ergebnisse Geheimsache. In umgekehrter Reihenfolge wurden die Ergebnisse verkündet, also zunächst diejenigen, die am weitesten von ihrer Schätzung entfernt lagen.

Lange wurde mein Name und meine Zeit nicht genannt, und ich machte mir schon Hoffnung auf eine Platzierung in den Top 5. Doch leider hat es dafür nicht gereicht, ich lag noch 27 Sekunden daneben und kam auf Platz 10. Der Sieger, Gerd, lag nur eine Sekunde neben seiner Schätzzeit.

Aber immerhin war ich 27 Sekunden schneller als geschätzt, und konnte somit meine persönliche Bestzeit über 10 km auf 40:39 Minuten verbessern. :)

Zusammenfassung Tag 2:
Morgens: 20 Minuten Athletik und 4,7 km regenerativ
Abends: 10 km Tempolauf "ohne Uhr" in 40:39 Minuten

Athletiktraining am Morgen...

...vertreibt Kummer und Sorgen!

Tag 3: Freitag, 23. März 2012
Extensive Einheit

Es wechselten sich im Trainingslager die Tage mit harten Einheiten und extensiven Einheiten ab. Somit hatte ich sieben Tage mit hartem, und sechs Tage mit leichtem Training.

Nach dem Frühstück gab es zudem noch regelmäßig Vorträge von Peter Greif, unserem Physiotherapeuten Carsten, oder dem mitgereisten und auch mitlaufenden Unternehmer, Ernährungswissenschaftler und Autor Dr. Wolfgang Feil.

Mit meiner frisch eingeteilten "Gruppe 2" ging es am Abend vom Hotel aus ein Stück weit ins Hinterland. Die Strecke war mit Pfeilen markiert, von denen wir leider einen übersahen (der Pfeil war am rechten Straßenrand, wir liefen jedoch links, wie es sich gehört). So gelangten wir nicht in ein wunderschönes, idyllisches Tal, sondern auf eine staubige Schotterpiste, die uns zu einem Zementwerk brachte.

Kurz vor dem Zementwerk warteten einige arg bissige Hunde auf Joggerfleisch. Ich glaube, dass einzig die Tatsache, dass wir in einer Gruppe liefen, die Hunde davon abhielt, sich ein saftiges Stück Wade einzuverleiben. Zumindest fehlte nicht mehr viel, als zwei wirklich extrem hässliche, hüfthohe und halbverwilderte Viecher laut bellend und böse die Zähne fletschend keine zwei Meter hinter uns herliefen...

Nach neun Kilometern endete die Sandpiste an der Autobahn, und wir sahen endgültig ein, dass wir dort irgendwie falsch waren. Also liefen wir denselben Weg wieder zurück, wobei wir abermals eine brenzlige Situation mit den Hunden überstehen mussten.

Auf dem Rückweg entdeckten wir dann auch den übersehenen Pfeil. Für die folgenden zehn Minuten schimpften wir lauthals über diese unglücklich gesetzte Markierung, deren Übersehen uns direkt in die Fänge der Bestien trieb. ;)

Zusammenfassung Tag 3:
Morgens: 20 Minuten Athletik und 5,8 km regenerativ
Abends: 18 km extensiver Dauerlauf in 1:36:08h (5:52 min/km).

Auf dem Weg in Richtung Zementwerk und den Hunden. ;)

Tag 4: Samstag, 24. März 2012
4 x 3000m Intervalle

In der ersten Woche nahm mich das Training körperlich so mit, dass ich meistens nach dem Mittagessen nochmal eine bis anderthalb Stunden schlief. Wenn vormittags keine Vorträge waren, ruhte ich auch nach dem Frühstück ein bisschen.

Auch setzte ich auf 100% Regeneration und verzichtete abends auf jeglichen Alkohol und war meist auch einer der ersten, die ins Bett gingen. Ich achtete auf mindestens acht Stunden Schlaf pro Nacht, denn im Schlaf regeneriert und erholt sich der Körper.

Die restliche Zeit, die ich nicht lief, verbrachte ich mit Essen. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich zuletzt soviel gegessen habe. Schließlich galt es, circa 21.000 Kalorien zusätzlich zum Grundbedarf abzudecken...

Nun zurück zu Tag 4: an diesem Samstag brachte uns der Bus wieder zur Pendelstrecke, wo wir 4 x 3000m Intervalle abzuliefern hatten.

Der 10-km-Lauf zwei Tage zuvor sowie der extensive 18-km-Lauf saß mir noch ein wenig in den Beinen, aber kurz vor dem Start und nach dem Warmlaufen vertrieb mein steigender Adrenalinspiegel jegliches Jammern der Muskulatur.

Gelaufen wurde vom Start zunächst 2000m die Straße runter, dann die Wende, und zurück bis zur 1000m-Markierung. Von dort langsames Zurücktraben bis zum Start.

Die insgesamt sechs eingeteilten Gruppen sollten dabei jeden Start gemeinsam machen, und dann sollte jeder den anderen jagen, so gut es ging. Dadurch herrschten in jedem Intervall automatisch wieder Wettkampfbedingungen, und jeder lief noch etwas schneller als er alleine im Training jemals laufen würde.

Die ersten 3000m lief ich in 12:02 Minuten, was mich total überraschte. Das war ja fast ein 4er Schnitt, so schnell lief ich sonst nie über diese Distanz.

Die zweiten 3000m fielen mit 12:01 Minuten nahezu identisch aus.

Am Ende der dritten 3000m stand dann plötzlich eine 11:51 Minuten auf der Uhr! In diesem Intervall konnte ich mich am Ende noch vor Jochen und Wolfgang Feil setzen. Letzterem war ein Schnürsenkel aufgegangen, die Chance musste ich nutzen! ;)

Eigentlich schon völlig im Eimer, klemmte ich mich im vierten und letzten Intervall von Anfang an direkt an Jochen ran. Meine einzige Chance, nach der Wende die 1000m mit leichtem Gegenwind zu überstehen war es, direkt hinter jemandem im Windschatten zu laufen.

Jochen jedoch ist ein deutlich stärkerer Läufer als ich und drückte kräftig auf die Tube. Ich schaffte es aber irgendwie, bis zur Wende an ihm dran zu bleiben, und wurde so im Windschatten bis zum Zielpunkt gezogen - in 11:46 Minuten! Schon wieder eine neue Bestzeit, diesmal über 3000m (wobei ich diese Distanz noch nie als Wettkampf gelaufen bin).

Zusammenfassung Tag 4:
Morgens: 20 Minuten Athletik und 5,8 km regenerativ
Abends: 4 x 3000m Intervalle. Mit Einlaufen und Trabpausen 17,7 km.

Start zum Tempotraining auf der Pendelstrecke.

Tag 5: Sonntag, 25. März 2012
Extensive Einheit

Aufgrund des für den folgenden Montag anstehenden langen Laufs über 35 km wollte ich eigentlich nur eine ganz kurze, regenerativ-extensive Einheit machen, über acht bis zehn Kilometer. Doch die Gruppendynamik ließ mich dann doch ganze 15 km mitlaufen...

"Extensiv" ist bei dieser Strecke im Hinterland sowieso relativ, da es gute 100 Höhenmeter zu bewältigen gilt.

Zusammenfassung Tag 5:
Morgens: 20 Minuten Athletik und 5,9 km regenerativ
Abends: 15 km extensiver Dauerlauf in 1:22:08h (5:29 min/km).


Tag 6: Montag, 26. März 2012
Langer Lauf: 35 km

Am Montag stand der erste lange Lauf über 35 km zum bekannten Köprülü Canyon. Die Strecke führt von einer Raststätte kurz hinter Taşağıl/Antalya bis nach Beşkonak hinauf.

Die Strecke ist unter den langjährigen Teilnehmern berüchtigt, da es durchaus einige Höhenmeter zu bewältigen gibt: meiner Schätzung nach circa 600 positive und 550 negative.

Um 11 Uhr am Vormittag war Start, wodurch die beiden Tage mit den 35-km-Läufen dann auch die einzigen Tage ohne morgendliches Athletiktraining waren.

Es startete zunächst die langsamste Gruppe (Gruppe Nr. 6). Im Abstand von jeweils 15 Minuten starteten die weiteren Gruppen. So wurde sichergestellt, dass in etwa alle Läufer in einem planbaren Zeitfenster am Ziel ankommen, und dass vor allem die Versorgung der Läufer mit den Bussen klappt.

Für diesen Lauf nämlich gab jeder Läufer zwei markierte Trinkflaschen ab. Jeweils eine kam in einen von zwei Bussen. Die Busse positionierten sich alle 5 km am Streckenrand und boten die Getränke, sowie die Möglichkeit, den Lauf jederzeit abzubrechen.

Aufgrund des verzögerten Starts für die schnelleren Gruppen gab es für Gruppe 2 erst ab Kilometer 10 etwas zu trinken, da der Bus von Kilometer 5 bereits zu Kilometer 15 weiterfahren musste. Gruppe 1 bekam, wenn ich mich richtig erinnere, erst bei Kilometer 15 das erste mal etwas zu trinken. Für uns schnelle und erfahrene Läufer ist dies aber problemlos möglich und schränkt unsere Laufleistung in keiner Weise ein.

Was sich jedoch schnell heraus kristallisierte war, dass unsere Gruppe 2 mit insgesamt 13 Läufern ein viel zu breites Leistungsspektrum abdecken sollte. Also teilten wir uns in eine "Gruppe 2a" und "Gruppe 2b" auf, die aus sechs bzw. sieben Läufern bestand. Ich lief fortan in der langsameren 2b mit.

Unsere Gruppe blieb auch diszipliniert fast bis ganz zum Schluss zusammen. Die Anweisung des Trainers war ja, stets zusammenzubleiben und notfalls auch auf jemanden zu warten.

Eine Läuferin namens Claudia machte gemeinsam mit mir das Tempo für die gesamte Gruppe. Am Ende erhielten wir für das konstante und sehr gleichmäßige Tempo ein dickes Lob unserer Mitläufer.

Doch rund 8 km vor dem Ziel löste sich auch unsere Gruppe allmählich auf. Einige waren noch frisch genug und starteten zu einer Endbeschleunigung (Claudia und Gerd), andere waren schon erschöpft und schlossen sich anderen, langsameren Läufern an, die wir unterwegs nun häufiger überholten.

Ich lief mein bisheriges Tempo so gut es ging weiter, war jedoch ebenfalls schon sehr erschöpft, nicht zuletzt aufgrund der Mittagshitze. Doch nach 3:01:32 Stunden war dann das Ziel erreicht: Eine Rafting-Station, wo wir frische Forellen in Weinblättern umhüllt vom Holzkohlegrill bekamen. Super-lecker!

Zusammenfassung Tag 6:
Mittags: 35 km langer Dauerlauf in 3:01:32h (5:11 min/km)

Kurz vor der Abfahrt zur 35-km-Runde

Die ersten Gruppen sind schon unterwegs. Warten auf unseren Start.

Die 35-km-Strecke war durchaus bergig (ca. 600 Höhenmeter)

Alle 5 km gab's einen Bus mit perfekt organisierter Wasserausgabe. :)

Tag 7: Dienstag, 27. März 2012
Extensive Einheit

Also die morgendliche Athletik und regenerative Runde vor dem Frühstück war schon etwas hart, das muss ich im Nachhinein zugeben. Doch ich war "weder im Urlaub noch zur Kur", wie Peter Greif zu sagen pflegte, sondern im Trainingslager. Und gekniffen wird nicht.

Abends folgte dann die extensive Einheit. Eigentlich wollte ich wieder nur wenig laufen, aber diese blöde, verfluchte Gruppendynamik... ;)

Letztlich wurden es 19,9 km in fast zwei Stunden. Wo sollte das alles nur hinführen?

Zusammenfassung Tag 7:
Morgens: 20 Minuten Athletik und 5,9 km regenerativ
Abends: 19,9 km extensiver Dauerlauf in 1:51:09h (5:35 min/km)

Insgesamt gab es sechs Vorträge zum Thema Laufen, Ernährung und Athletik.

Tag 8: Mittwoch, 28. März 2012
8 x 1000m Intervalle

Der Mittwoch war so einer der Tage, an dem ich jeweils nach dem Frühstück und Mittag nochmal eine Stunde schlief, und auch die Nacht zuvor üppige neun Stunden genoss. Wie heißt es doch so schön? "Sleep, train, eat. Repeat!"

Nachdem ich mich tags zuvor 25 km lang "erholen" durfte, gab's heute wieder eine knackige Qualitätseinheit vom Feinsten: 8 x 1000m Intervalle. Natürlich in der Gruppe, natürlich unter Wettkampfbedingungen.

Also brachte uns der Bus wieder die paar Kilometer zur Pendelstrecke raus. Beim Warmlaufen taten mir so ziemlich alle Muskeln und Knochen weh. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass ich überhaupt annähernd irgendwie auch nur die ersten 1000m schaffe, ohne dass mir ein Arm oder Bein abfällt.

Doch auch diesmal dämpften körpereigene Opiate pünktlich zum Startschuss jegliches Schmerzgefühl und ich fühlte mich wie frisch geboren.

Bei den Intervall-Einheiten wurde zunächst nicht in den bekannten Gruppen gestartet, sondern alle gemeinsam. Am Ziel fasste Peter nach der Reihenfolge des Eintreffens jeweils 5 bis 7 Läufer zu einer temporären Gruppe zusammen, und diese starteten für die restlichen Intervalle dann gemeinsam.

Die ersten 1000m lief ich in 3:40 Minuten! Das waren die schnellsten 1000m meines Lebens. Unfassbar, und das mit dieser Vorbelastung. Doch mit dieser schnellen Zeit landete ich natürlich in einer Gruppe, in der alle anderen schneller laufen konnten als ich - nämlich in Gruppe 1.

Also ging's 1000m langsam trabend zurück zum Start, und dann alle gemeinsam wieder los. Holla die Waldfee, da ging die Luzi ab.

Den zweiten Kilometer in 3:39 Minuten. Leistung bestätigt. Aber noch sechs Wiederholungen, das konnte ich unmöglich durchhalten. Robert, der leistungsstärkste Läufer und Mitorganisator des Trainingsurlaubs, prognostizierte mir eine "niedrige 39-Minuten-Zeit" über 10 km, wenn ich meine Intervalle alle in diesem Bereich ins Ziel brächte.

Doch die folgenden Kilometer wurden etwas langsamer: 3:41, 3:42, 3:42 und 3:43 standen bis zum sechsten Intervall zu Buche.

Auf dem siebten Intervall musste ich von der Gruppe abreißen lassen, was mich deutlich Zeit kostete. Ich kam erst nach 3:48 Minuten ins Ziel, also 5 Sekunden langsamer als der Kilometer zuvor.

Jetzt wollte ich es wissen: Jochen war zwar stärker, aber das konnte nicht sooo viel mehr sein. Ich müsste nur an ihm dranbleiben. Über die gesamte Trabpause konzentrierte ich mich gänzlich darauf, wie ich im letzten Intervall um jeden Preis an Jochen dranbleiben würde. Komme was wolle. Jochen ist mein Holger, den es zu vernichten gilt.

Start zum letzten 1000er. Ich klemme mich direkt an Jochen, der mit einem Höllentempo losjagt. Ich bleibe dran, auch wenn es extrem schwerfällt. Nur nicht abreißen lassen.

Die letzten 200 Meter. Jochen schwächelt, wird etwas langsamer. Das ist meine Chance: ich mobilisiere alles, was noch geht und ziehe an ihm vorbei. Sieg! Ich bin damit zwar noch lange nicht der schnellste aus der Gruppe, aber schneller als Jochen! Und ich habe mit 3:33 Minuten abermals eine neue persönliche Bestzeit über 1000m aufgestellt.

Auf diese 3:33 Minuten kam ich einige Tage lang nicht klar, selbst jetzt, Wochen später, ist es mir ein Rätsel, wie ich das noch geschafft habe...

Zusammenfassung Tag 8:
Morgens: 20 Minuten Athletik und 6,0 km regenerativ
Abends: 8 x 1000m Intervalle. Mit Einlaufen und Trabpausen 15,9 km.

Warten in der Lobby auf den Bus zur Tempostrecke.


Tag 9: Donnerstag, 29. März 2012
Extensive Einheit

So langsam ging's an die Reserven. Vom ständigen Laufen und auch vom Athletiktraining war mein Körper ein einziger Muskelkater. Wenn ich mit dem Finger in meine Hüfte piekste, tat es weh wie mit einer glühenden Nadel. Meine Erschöpfung ging soweit, dass ich beim Zähneputzen nach 30 Sekunden den Arm nicht mehr halten konnte.

Aber Marathonläufer sind hart im Nehmen. Schmerz ist kein Gegner, sondern dein treuer Begleiter. Also gab's auch am Donnerstag wieder die morgendlichen 20 Minuten Athletik, wobei einige Übungen schon extrem schlaff ausfielen, eine Körperspannung war nicht mehr wirklich zu erbringen. Beruhigender Weise ging es nicht nur mir so.

Abends stand der extensive Lauf an. Eigentlich hatte ich vor, diesmal aber wirklich nur ganz kurz zu laufen. Naja, ich glaube es ist offensichtlich, wie das mal wieder endete.

Der Mittagsschlaf wirkte wahre Wunder, und so war ich überraschend frisch und lief 20 km mit Robert, Claudia und einem weiteren Jan. Auch die Zeit war dabei ganz flott, trotz der vielen Höhenmeter, die wir auf der Runde bewältigen durften.

Zwischen Claudia und Robert hat's dann auch gefunkt, die beiden sind heute ein glückliches Paar. Peter Greif betont immer wieder gerne, dass sich bereits viele Pärchen auf einer seiner Laufreisen gefunden haben. Naja, für mich war keine dabei, was aber evtl. an der leider recht niedrigen Läuferinnen-Quote lag. Mein Appell an die Damen: Meldet euch mal an beim Peter, da warten gut trainierte Männer auf euch! ;)

Zusammenfassung Tag 9:
Morgens: 20 Minuten Athletik und 6,0 km regenerativ
Abends: 20,0 km extensiver Dauerlauf in 1:48:25h (5:25 min/km)


Tag 10: Freitag, 30. März 2012
3 x 2000m Intervalle als Staffelwettkampf

Keine Atempause: Weiter ging es mit einem Staffelwettkampf über 3 x 2000m. Die Gruppen wurden so zusammengestellt, dass die elf langsamsten Läufer jeweils ein Team gründeten, und sich die zwei fehlenden Teamläufer aus den übrigen Läufern wählen durften. Als erstes wählte die langsamste Läuferin, und wählte natürlich den schnellsten (Robert). So ging es weiter, bis alle Läufer den Teams zugeteilt waren.

Ich landete im Team mit der langsamsten Läuferin und dem Robert. Meine Siegeschancen sanken dadurch auf nahezu Null. Erklärtes Ziel von Robert war es somit dann auch, nicht letzter zu werden.

Der Ablauf sah vor, dass jeder Läufer dreimal die 2000m läuft, und zwischen jedem Lauf etwas Pause hat, da dann seine Teamkollegen laufen. Es wird eine Pendelstrecke gelaufen, und bei der Übergabe abgeklatscht.

Robert startete für unser Team als erster. Souverän setzte er sich ab und kehrte nach 6:30 Minuten von der 2-km-Runde zurück. Sodann startete unsere Läuferin. Souverän wurde sie von allen anderen Läufern eingeholt und kehrte nach 12:00 Minuten als letzte zurück.

Na prima. Ich startete somit nicht nur als letzter unserer Gruppe, sondern auch als letzter Läufer überhaupt. Doch Hundert Meter vor mir war Rüdiger zu sehen, ein mir eigentlich überlegener Läufer. Er lief aber etwas langsam, ja nahezu unmotiviert. Den könnte ich einholen!

Die ersten 1000m waren leicht abschüssig und mit etwas Rückenwind. Das kam mir entgegen, und ich schaffte es tatsächlich, bis zur Wendemarke auf 10 Meter an Rüdiger heranzukommen.

Ab um die Wendemarke. Und ab in den Wind gegen den leichten Anstieg. Jetzt galt es, zu Rüdiger aufzuschließen oder jämmerlich im Wind zu verrecken. Ich gab mir einen Ruck und zog nochmal kurz das Tempo an, und setzte mich hinter Rüdiger in seinen Windschatten.

Als er mich bemerkte, gab er etwas Gas, konnte mich aber nicht abschütteln. Am Ende liefen wir nahezu zeitgleich ins Ziel, kämpften jedoch bereits hier um den letzten Platz in der Gesamtwertung.

Meine Zeit für die ersten 2000m: 7:35 Minuten.

Robert konnte die folgenden 2000m in 6:20 Minuten laufen und wieder ein paar Läufer einholen, doch unsere Laufschnecke verprasselte wieder fast alles und kam nach knapp 12 Minuten zum Start zurück - diesmal als vorletzte! Ca. 75 Meter hinter ihr lief noch jemand: Rüdigers Teamkollege!

Das war meine Chance, ich müsste nur verhindern, dass mich Rüdiger auf dem ersten Kilometer einholt. Ich hatte die irrationale Angst, er könnte sich dann nämlich von mir in meinem Windschatten zurück ziehen lassen.

Ich behielt Rüdiger auch auf Abstand, jedoch lief ich dadurch die ganze Zeit alleine, ohne direkten "Wettbewerber". Dies galt natürlich auch für Rüdiger. Ohne diesen leistungssteigernden Wettkampf konnten wir nicht annähernd soviel Kraft mobilisieren wie im ersten Teilstück: Am Ende stand eine 7:53 Minuten, also 18 Sekunden langsamer als im ersten Intervall.

Es folgte das bekannte Spiel: Robert lief seine schnellsten 2000m (6:10 Minuten), unsere Läuferin ihre langsamsten (über 12 Minuten).

Als sie 100 Meter vor dem Ziel war, kämpfte sich hinter ihr der letzte Läufer langsam nochmal an sie heran, und mit nur 15 Metern Vorsprung startete ich vor meinem ärgsten Konkurrenten: Rüdiger! Vor uns meilenweit keine andere Läuferseele zu sehen. Es ging also um alles oder nichts: den letzten Platz!

Die ersten 1000m bis zum Wendepunkt nutzte Rüdiger, um mich einzuholen. Nach der Wende setzte er sich vor mich und zog das Tempo nochmal richtig an. Mit großer Mühe blieb ich an ihm dran. Auf halber Strecke wagte ich den Versuch, ihn zu überholen, als er leicht langsamer wurde.

Doch kaum war ich neben ihm, bekam ich die kräftezehrende Wirkung des Windes voll zu spüren, und musste mich wieder hinter ihn zurückfallen lassen.

150 m vor dem Ziel setzte Rüdiger zum Schlussspurt an und zog mir gnadenlos davon. Ich war chancenlos. Naja, eigentlich nicht verwunderlich, bringt er doch eine Marathonzeit von 2:36 Stunden mit, und ich nur eine 3:14h.

Meine Zeit der letzten Runde: Immerhin nochmal eine 7:38 Minuten. Unglaublich, was so ein kleines bisschen Wettkampf doch bringt, und wenn's nur der Kampf mit Rüdiger um den letzten Platz ist... ;)

Zusammenfassung Tag 10:
Morgens: 20 Minuten Athletik und 6,4 km regenerativ
Abends: 3 x 2000m Intervalle als Staffel, ohne Trabpausen. Mit Einlaufen 7,1 km.


Tag 11: Samstag, 31. März 2012
Extensive Einheit

Am Morgen bei der Athletik habe ich mich gewundert, wie lange ich meinen Körper eigentlich noch malträtieren kann, bis ich vollends zusammenbreche. Aber irgendwie scheinen da noch Reserven zu sein.

Zum Frühstück gab es eine große Schüssel Joghurt mit Obstsalat, anschließend noch ein paar Orangen. Diese Kombination zündete abends beim extensiven Lauf mal so richtig. Mit Mühe und Not schaffte ich es zum Hotel zurück, ohne auf dem Gehweg zu explodieren und in Richtung Himmel abzuheben. Den Abend und die halbe Nacht verbrachte ich anschließend auf dem Klo...

Fazit: Keine Milchprodukte mehr mit Obst kombinieren, zumindest nicht im Trainingslager.

Vielleicht noch ein paar Worte zum Essen: Wir waren in einem All-Inclusive-Hotel untergebracht. Alles andere macht für eine ständig hungrige Leistungsgruppe wie wir es waren auch keinen Sinn. Zu jeder Tageszeit gab es leckeres Essen, und die Buffets zu den Hauptmahlzeiten boten eine schier unglaubliche Auswahl. Ideale Trainingsbedingungen also uns Läufer, und eine gefährliche Versuchung für alle normalen Urlauber.

Zusammenfassung Tag 11:
Morgens: 20 Minuten Athletik und 6,3 km regenerativ
Abends: 9,8 km extensiver Dauerlauf in 0:53:57h (5:32 min/km)


Tag 12: Sonntag, 1. April 2012
18 km Tempolauf

Am Sonntag stand ich zwar wie gewohnt um 7 Uhr auf, doch nach den exkrementären Dysbalancen der vergangenen Nacht legte ich mich mit einer großen Portion schlechtem Gewissen wieder hin. Aber ich fühlte mich absolut nicht nach Laufen, mein Magen war noch nicht wieder beruhigt.

Zum Frühstück gab's zum Wiederherstellen der Lebensgeister bewährt Deftiges: Rühreier und Bratkartoffeln. Schließlich stand die letzte Tempoeinheit des Trainingslagers an, und die wollte ich keinesfalls verpassen: 18 km Tempolauf!

Der Bus brachte uns wie gewohnt zur Pendelstrecke. Ein kurzes Einlaufen brachte das zum Ertragen der Schmerzen unabdingbare Adrenalin ins Blut, und damit ging's dann los.

Ich hatte mich mit einigen Läufern aus Gruppe 2b darauf geeinigt, mein geplantes Marathontempo von 4:30 min/km anzugehen. So liefen wir auch mit vier Mann in dem Tempo los, beim ersten Wendepunkt nach 2,5 km lag der Schnitt bei 4:28 min/km.

Doch dann war da der Gerd neben mir, und zog das Tempo ein kleines bisschen an. Ich konnte ihn natürlich nicht ziehen lassen, und blieb neben ihm. Nach einiger Zeit wurden wir wieder schneller, wobei ich es rückblickend gar nicht mehr sagen kann, wer von uns überhaupt auf die Tube gedrückt hat. Ich glaube, das waren wir beide gleichermaßen.

So langsam blieben die mit uns gestarteten Läufer hinter uns zurück, denen wurde es zu wild. Gerd und ich hingegen wurden immer schneller, taten jedoch so, als wäre alles unverändert. Als wir einen anderen Läufer überholten, sang Gerd diesem lauthals ein Liedchen zu, nur um mir zu zeigen, dass er noch genug Luft für solchen Schabernack hatte.

Nach der letzten Wende war das Tempo schon extrem schnell geworden. Gerd meinte hämisch von der Seite, "Sind wir nun schneller geworden, oder kommt mir das nur so vor?", während wir zum 1000m langen Schlussspurt ansetzten: Die letzten 1000m ballerten wir alles raus, was unsere müden Knochen noch hergaben, liefen jedoch nebeneinander ins Ziel, als wäre nichts gewesen.

Die spätere Auswertung des Forerunners ergab, dass wir den letzten Kilometer in 3:57 Minuten liefen! Den Gesamtschnitt für die 18 km hatten wir von den anfänglichen 4:28 min/km auf 4:19 min/km hochgezogen!

Dieser 18-km-Lauf war einer meiner absoluten Höhepunkte des Trainingslagers, so viel Spaß hatte ich kaum bei einem anderen Lauf. :)

Zusammenfassung Tag 12:
Morgens: nichts, da Verdauungsprobleme
Abends: 18 km Tempolauf in 1:17:23h (4:19 min/km). Plus 1000m Einlaufen.

Gerd und ich beim 18-km-Tempolauf, die anderen haben wir längst abgehängt.


Tag 13: Montag, 2. April 2012
Extensive Einheit

So langsam nehmen alle gedanklich schonmal Abschied und genießen den letzten normalen Trainingstag.

Ein letztes Athletiktraining mit gebührendem Applaus für Carsten und Robert, die das jeden morgen durchgeführt haben, und abends ein letzter regenerativer Lauf im Hinterland standen an. Und am Dienstag sollte als Abschluss eine weitere 35-Kilometer-Strecke im Canyon folgen.

Eigentlich wollte ich ja wirklich nur eine ganz kleine 8-km-Runde am Abend drehen - aber das kennen wir ja mittlerweile. Ich habe gar nicht erst versucht, mich zu wehren, und bin die 16 km direkt mitgelaufen. ;)

Zusammenfassung Tag 13:
Morgens: 20 Minuten Athletik und 7,0 km regenerativ
Abends: 16,1 km extensiver Dauerlauf in 1:26:54h (5:24 min/km)



Tag 14: Dienstag, 3. April 2012
Langer Lauf: 35 km

Am letzten Tag des Trainingsurlaubs stand abermals der lange Lauf über die 35 km nach Beşkonak an. Also präparierten wir unsere leicht mit Kochsalz versetzten Wasserflaschen für die Busse, und auf ging's.

Es war der vierzehnte Tag mit Sonne in Folge, und der heißeste davon. Während des Laufs hatten wir ganz leichten Rückwind, was die Kühlung noch etwas verschlechterte. Ich schätze die Temperatur so um die Mittagszeit auf 28 bis 30 Grad im Schatten, bei jedoch recht trockener und damit angenehmer Luft.

Für Gruppe 2b machte ich wieder über weite Teile der Strecke das Tempo, diesmal jedoch alleine, da Claudia aus beruflichen Gründen bereits abreisen musste. Abermals blieb unsere Gruppe sehr diszipliniert zusammen.

Das Tempo war ein wenig schneller als beim ersten langen Lauf, aber nicht wirklich viel.

Neun Kilometer vor dem Ziel setzte Gerd dann zur Endbeschleunigung an und gab Gas. Meine anderen Mitläufer sahen, dass ich auch noch recht frisch war, und ermutigten mich, da mitzulaufen.

Also beschleunigte ich ebenfalls, und zog gemeinsam mit Gerd nochmal an der Temposchraube.

Aufgrund der doch etwas sehr heißen Temperaturen und der erheblichen über die Tage kumulierten Ermüdung im Körper artete das ganze jedoch nicht wieder so aus wie noch 40 Stunden zuvor beim 18-km-Tempolauf. Stattdessen kämpften wir uns tapfer die Berge hinauf in Richtung Forellenmahlzeit.

Nach 2:55:15h erreichten wir dann endlich das Ziel, wo ich mich vor Erschöpfung um ein Haar übergeben hätte. Aber ich konnte mich dann doch gerade noch beherrschen.

Die Verpflegung brachte mich schnell wieder zu Kräften, und ich machte mit einer kleinen Gruppe sogar noch etwas Sight-Seeing und schaute mir den Canyon etwas genauer an.

Zusammenfassung Tag 14:
Mittags: 35 km langer Dauerlauf mit 9 km Endbeschleunigung in 2:55:15h (5:00 min/km).

Der Köprülü Canyon, ein Naturdenkmal in der Türkei.

Sight-Seeing im Canyon


Fazit

Ich bin angefixt! Der Trainingsurlaub hat mir so super gefallen, dass ich mich bereits für das 14-tägige Greif-Trainingslager in Wolfshagen (Harz) im August diesen Jahres angemeldet habe.

Auch hatte ich Glück und litt nicht unter der von Peter Greif postulierten "Nach-Trainingslager-Depression". Stattdessen ist meine Form gekommen, und meine gelaufenen Zeiten sind in ungeahnte Tiefen gestürzt.

So laufe ich mittlerweile meine extensiven Dauerläufe im glatten 5er Schnitt (12 km/h). Regenerativ laufe ich 10 km in 53 Minuten, bei 121 Puls.

Einen kleinen Dämpfer habe ich bekommen, als ich vor gut einer Woche in einer 4000m-Intervall-Einheit zwar ein 4:02er Tempo lief, mir dabei jedoch leicht den linken Oberschenkel verletzte. Jetzt muss ich wieder sehen, dass ich das bis zum Marathon in Ordnung bekomme, und dabei meine Form nicht verliere.

Genau wie letztes Jahr, ebenfalls drei Wochen vor dem Marathon, passiert mir wieder so ein Mist, da mein Körper am Limit der tolerierbaren Trainingsbelastung ist. Naja, ich habe ja erst zwei Jahre halbwegs kontinuierliches Training hinter mir und noch keine großen Laufumfänge akkumuliert. Das Jahr 2011 war mit 3.200 Kilometer mein bislang laufstärkstes Jahr.

In diesem Trainingsurlaub lief ich an den 13 Tagen zusammen 298 Kilometer. Das sind 9,3 Prozent meiner gesamten Vorjahreslaufleistung am Stück, ohne einen Tag Pause. Von diesen 13 Tagen verbrachte ich insgesamt knapp über 26 Stunden laufend - was einen Schnitt von 2 Stunden Training pro Tag macht. Das Athletik-Training kommt da noch dazu.

Jetzt bin ich auf jeden Fall sehr gespannt, wie es mir am 29. April beim Hamburg-Marathon ergehen wird. Die 3:10h müsste ich auf jeden Fall packen, sofern mein Bein dann nicht wider Erwarten immer noch rumzickt.

Wie es mir in Hamburg ergeht, davon werde ich hier natürlich wieder ausführlich berichten.

Links:
- Greif.de (Trainingspläne, Shop und Laufreisen)
- Alle Trainings des Urlaubs in der Laufsport-Liga als Übersicht

Gruppenfoto der Teilnehmer


(Die Fotos sind von Peter Greif und Pierre Ecoeur, dafür herzlichen Dank und beste Grüße.)

Mittwoch, 1. Februar 2012

Tempotraining bei Minusgraden

"Extremkälte friert Europa ein", titelt Spiegel Online heute. Der Wetterdienst meldet minus acht Grad und 24 km/h Windgeschwindigkeit.

Und was schreibt mein Trainer mir in den Trainingsplan?

Vielleicht hast du mich bis heute als die Mutter Theresa der Trainergilde gehalten. Aber nun ist Februar und da treibe ich dir solche Gedanken aus: 5 * 2000 m in in 8:18 min = 4:09 min/km mit 1000 m Trabpause.

Ob so harte Sachen bei der Kälte ungesund sind? Aber die Lunge! Die arme Lunge! Hmmmm.

Ein Artikel im Greifschen Newsletter-Archiv sorgte dann für Aufklärung. Dort schreibt Hansi Köhler:

Ich kann mich erinnern, vor Jahren mal einen Silvesterlauf über 10 km in vollem Tempo bei -17°C bestritten zu haben. Klar habe ich direkt nach dem Zieleinlauf wie andere auch ein wenig gehustet, aber nichts Spürbares davon getragen. Ob bei dir Atemwegserkrankungen beim Sport unter sehr tiefen Temperaturen ursächlich deswegen auftreten können, sollte dir nur dein Arzt beantworten. Mir persönlich ist in den Jahren in meinem Umfeld oder durch persönliche Kundengespräche jedenfalls kein Fall bekannt geworden, was jedoch nicht heißt, dass es nicht vorkommen kann.

Nun, bis -17 Grad ist es noch ein wenig hin, und 5 x 2000m sind nicht annähernd so belastend wie ein 10 km Wettkampf. Also keine Ausreden mehr, nach Feierabend ging's raus in die Kälte.

Dick eingemümmelt in vier Lagen Laufklamotten plus Handschuhen, Mütze und Stirnlampe lief ich mich zwei Kilometer "warm". Am Ende des "Warmlaufens" fing mein linker großer Zeh an, taub zu werden. Und als ich ein Taschentuch ein zweites mal benutzen möchte und es aus der Jackentasche ziehe, ist es bereits steifgefroren. Egal, auf geht's, erste Wiederholung.

Ich rechnete mit keiner guten Zeit, aber nach 1.000 m stand die Zwischenzeit bei knapp über 4 Minuten. Und das bei einem Abschnitt gegen den Wind. Ich war also ein wenig zu schnell unterwegs, beendete die erste Runde dann in 8:14 (4:07 min/km).

Kurze Gehpause, Schleim ausspucken, langsam traben. Und ab in die zweite Wiederholung! Nun aber etwas langsamer, es sollen ja fünf Wiederholungen werden. Doch Pustekuchen, nun habe ich erstmal Rückenwind, und beende die 2.000m in 8:08 (4:04 min/km).

Auf der dritten Wiederholung kam mir ein Spaziergänger mit Hund entgegen - der muss mich für total bekloppt gehalten haben, als ich laut hechelnd mit knapp 15 km/h an ihm vorbeischoss. Diese Runde mit 8:16 (4:08 min/km) wieder etwas ruhiger, bzw. mit einem größeren Gegenwindabschnitt.

Die vierte Wiederholung wollte ich mich etwas schonen, um in der letzten nochmal alles rauszuballern. Das wurde aber nicht, ich lief sie in 8:13 (4:06 min/km).

Leider startete die letzte Wiederholung genau dort, wo das Gegenwindstück beginnt. Die ersten 900 m waren dann auf offener Flur mit rund 20-25 km/h Gegenwind. Ich kämpfte und verballerte mein letztes Pulver, konnte jedoch das Tempo am Ende nicht mehr halten. Mit 8:26 (4:13 min/km) hier also ein deutlicher Einbruch.

Insgesamt war ich aber sehr positiv überrascht von dem guten Tempo, und davon, wie gut ich die eiskalte Luft vertragen habe. Kein Brennen in der Lunge, keine Atembeschwerden, auch anschließend nichts ungewöhnliches. Auch positiv anzumerken, dass mir die Kälte sehr entgegen kam, was die Pulsstabilität anbelangte. In jeder Gehpause war der Puls sehr schnell wieder bei 135 Schlägen, da keine überschüssige Körperwärme entsorgt werden musste.

Fazit: Schnelle, harte Einheiten bei Minusgraden sind kein Problem. Da finde ich die langsamen Einheiten in der Kälte unangenehmer, da die Arme und Hände dabei langsam auskühlen, bis sie schmerzen. Aber das kommt dann erst am Samstag, auf der langen Runden. ;)

Zusammenfassung:
1. 8:14 (4:07)
2. 8:08 (4:04)
3. 8:16 (4:08)
4. 8:13 (4:06)
5. 8:26 (4:13)
Solltempo: 8:18 (4:09)
Geamt: 16,63 km in 1:20:48h.

Link:
Training auf Endomondo

Mittwoch, 2. November 2011

Aller Anfang ist Schmerz

Der Marathon ist jetzt drei Tage her, es wurde Zeit für einen ersten vorsichtigen Regenerationslauf. Zwar sind meine Beine noch sehr erschöpft, aber meine Energie ist zurück, es hält mich nichts mehr auf dem Hocker.

Also fix die Schuhe geschnürt, die Stirnlampe justiert und raus in die angenehme, klare Herbstluft von Isernhagen.

Ein herrliches Gefühl, sich endlich wieder bewegen zu können und die Lunge mit frischem Sauerstoff zu betanken.

Die ersten 100 m sind etwas holprig, aber dann läuft es ganz gut, wenn auch langsam.

"Eine große Runde!", sage ich mir. Das wären 15,2 km.

Nach 500 m sehe ich ein, dass das bei diesem langsamen Tempo gut 90 Minuten wären - eindeutig zu lange. "Naja, dann halt drei kleine Runden" (12,8 km).

Nach 1000 m verwerfe ich den Gedanken und reduziere auf "zwei kleine Runden" (9,2 km). Man soll es ja nicht gleich übertreiben.

Nach 1500 m tut so langsam alles weh. Die Euphorie ist den Schmerzen gewichen. Ich reduziere abermals, auf nur noch "eine kleine Runde" (5,7 km).

2500 m. Mein Puls dümpelt bei 124 Schlägen, der Garmin sagt 5:48 min/km. Meine Waden tun weh, die Achillessehnen sind gereizt, die Füße schmerzen, sogar ein Muskel der Bauchdecke ziept leise vor sich hin. Ich überlege kurz, umzukehren, denn noch bin ich nicht bis zur Hälfte, laufe dann aber weiter.

4000 m. Sind wir bald da? Ist es noch weit?

5730 m. Endlich fertig. 33:21 Minuten, 5:49 min/km, Ø 121 Puls. Und fertig mit der Welt.

Ich muss an den Transalpine Marathon denken, ein Fernziel von mir. Gerade ist er gefühlte zehn Jahre weiter weg gerückt.

Sonntag, 30. Oktober 2011

Frankfurt Marathon 2011 - Die Rache für Hamburg

Nach meinem erbärmlichen Ergebnis im Mai diesen Jahres beim Hamburg-Marathon schwor ich Rache. Bereits wenige Stunden nach dem Lauf meldete ich mich für den BMW Frankfurt Marathon 2011 an, es blieben knapp 5 Monate Zeit zum Trainieren.

Das Training verlief mit Höhen, Tiefen und neben einer 50-Stunden-Woche als IT-Freelancer. Mit Müh und Not habe ich meine Wochenkilometer gerissen, was tut man sich nicht alles an als Single. Work, train, sleep, eat - repeat! ;)

Am heutigen 30. Oktober war es dann soweit: Der Saisonhöhepunkt und gleichzeitiges Saisonende stand an. Doch der Reihe nach.

Am Samstag fuhr ich mit der Bahn von Hannover nach Frankfurt, und stieg in einem 2-Sterne-Hotel ab. Zu Fuß ging ich von dort zur Messe, um die Startunterlagen abzuholen. Die Entfernung habe ich wohl unterschätzt, ich war über 30 Minuten stramm unterwegs. Zurück fuhr ich dann mit der U-Bahn, ging etwas schneller. ;)

Nach diesem ungeplanten Fußmarsch ließ ich den finalen kleinen Lockerungslauf über 1-2 km lieber ausfallen. Stattdessen plagten mich Kopfschmerzen - vor Aufregung? Ich hielt mich mit Mühe noch bis 21:30 Uhr wach, und schlief dann bis 06:00 Uhr durch. Dank der Zeitumstellung waren das 9,5 Stunden Schlaf.

Am Sonntagmorgen war ich glücklicherweise fit und frei von den Kopfschmerzen. Ich ging den Tag noch ein paar Mal gedanklich durch, auch den Rennverlauf, und machte mich gegen 8 Uhr auf zur Messehalle.

Dort schlug ich irgendwie noch fast zwei Stunden tot - Zeit kann mitunter ganz schön langsam laufen! ;)

Um 08:45 Uhr (!!!) liefen sich die ersten Hobbyläufer warm. Einer machte dabei sogar Lauf-ABC-Übungen. Dazu fiel mir nicht mehr wirklich viel ein. Ich beließ es heute bei einem schönen Kaltstart. Zwar auch nicht ganz optimal, aber durch das Gedränge geht's eh immer etwas langsamer los. Wie man sich aber 75 Minuten vor dem Rennen warmlaufen kann, wird mir vermutlich für lange Zeit ein Rätsel bleiben.

Um Punkt 10:00 Uhr fiel dann endlich der Startschuss, ich startete aus dem vordersten Block. Dort hatte ich mich mal wieder viel zu weit hinten einsortiert, so dass ich auf den ersten Kilometern doch recht erheblich ausgebremst wurde. Schließlich wollte ich ein 4:37er Tempo anlaufen, was auf eine 3:15h hinausliefe.

Der Rennverlauf im Einzelnen:

Km 0-5: 23:23 Minuten (4:41 min/km)
Ich komme kaum voran. Teilweise fällt mein Puls auf 135 Schläge, so verstopft ist die Strecke. Das mit dem Positionieren im Startblock muss ich wirklich nochmal lernen. Auf den ersten 5 km verliere ich gute 30 Sekunden auf meine Planzeit von 3:15h. Fängt ja gut an!

Km 6-10: 23:13 Minuten (4:39 min/km), gesamt 46:36
Es läuft immer noch viel zu schleppend, ständig führen Verengungen der Strecke zu Stockungen. Ich muss irgendwie sehen, dass ich den 3:15h-Tempoläufer überhole, denn der läuft völlig offensichtlich viel zu langsam, und zieht ein Pulk Läufer hinter sich her.

Km 11-15: 23:05 Minuten (4:38 min/km), gesamt 1:09:41
Es wird endlich schneller, aber leider nur langsam. Hinzu kommt, dass an den Verpflegungsstellen dichtes Gedränge herrscht, und man hier locker 10 Sekunden verliert. Dafür habe ich den 3:15h-Tempoläufer endlich überholt, nun ist doch deutlich mehr Platz auf der Strecke. Ich muss langsam einsehen, dass die flache Strecke in Frankfurt zwar prima zum Laufen ist, jedoch mein Garmin heute totalen Mist misst. Die Hochhäuser reflektieren die Signale der Satelliten wie wild hin und her, wodurch ich am Ende 43,1 km auf der Uhr habe, und ständig viel zu gute (aber falsche!) Km-Zeiten dadurch. Das Phänomen ist in Läuferkreisen durchaus bekannt, wie mir im Runnersworld-Forum mitgeteilt wurde. :)

Km 16-20: 22:59 Minuten (4:36 min/km), gesamt 1:32:40
Endlich erreiche ich mal mein gewünschtes Tempo! Mein Puls klebt förmlich zwischen 148 und 150, was absolut ideal und in meinem gesteckten Sollbereich liegt. Es läuft jetzt richtig rund und flüssig.

Halbmarathon-Marke: 1:37:36 Stunden
Erst auf der Halbmarathon-Matte erkenne ich endgültig, was für blödsinnige Km-Zeiten mir mein Garmin anzeigt. Ich bin jetzt 12 Sekunden über meiner erhofften Zielzeit von 3:15h. Jetzt hilft nur noch ein negativer Split. Ob das möglich ist?

Km 21-25: 22:52 Minuten (4:34 min/km), gesamt 1:55:32
Es läuft immer noch sehr gut, ich konnte das Tempo ein kleines bisschen forcieren und überlege, wann ich es wagen sollte, einen deutlichen Zahn draufzulegen. Ich beschließe, mindestens noch bis km 30 zu warten. Jetzt wäre es noch zu früh und damit zu riskant.

Km 26-30: 23:15 Minuten (4:39 min/km), gesamt 2:18:47
Das Tempo ist wieder etwas langsamer geworden, verschuldet durch eine etwas chaotische Verpflegungsstelle sowie eine langgezogene Steigung über eine Mainbrücke. Ich überhole mittlerweile die meisten Läufer. Etliche gehen bereits oder stehen am Streckenrand mit Krämpfen. Auch an den Wasserstellen geht es dadurch sehr langsam zu, da viele Läufer kurz stehenbleiben und so den Rhythmus stören. Ich schiebe meine Tempoverschärfung noch etwas nach hinten raus.

Km 31-35: 23:03 Minuten (4:37 min/km), gesamt 2:41:50
So langsam realisiere ich, dass es eng wird mit der 3:15h, wenn ich nicht bald mal angreife! Ich überhole mittlerweile so viele Läufer, dass ich mich fast schon in einen Rausch laufe. Es motiviert ganz ungemein! Einzig die noch frischen Staffelläufer rauschen ab und zu von hinten an mir vorbei. Ungefähr bei km 34, also 8 km vor dem Ziel, greife ich schlussendlich an. Mein Ziel: Der Verpflegungspunkt bei km 35, wo ich mir einen Becher Cola gönnen möchte, um danach wirklich alles zu geben.

Km 36-40: 22:55 Minuten (4:36 min/km), gesamt 3:04:45
Die Cola tut gut! Wie toll man sich sowas doch einbilden kann. ;)
Jetzt sind es nur noch schlappe 7 km, ich greife endgültig an. Es sind dann auch meine schnellsten 5 km. Zwar melden sich so langsam die Waden, aber das ist mir jetzt völlig egal. Ich rausche an anderen Läufern nur so vorbei, dass es eine Freude ist. Mancher hält mich für einen Staffelläufer und pöbelt irgendwas hinterher, weil ich ihm ein kleines bisschen die Kurve geschnitten habe. Herrlich!

Km 41-42,195 9:57 (4:32 min/km)
Nur noch 2,2 km! Jetzt beißen, und dranbleiben! Ich beschleunige abermals, überhole noch gut 20 Läufer, und habe sogar noch Luft für einen kurzen Schlussspurt auf den letzten 200m.
Wow! Was für ein Zieleinlauf. Die Festhalle dröhnt und blitzt, geniale Stimmung. Bisschen sehr stickige Luft dadrinnen, aber die letzten 50 m überstehe ich auch noch.

Zielzeit: 3:14:42 Stunden. Absolut genial, ich habe meinen Rückstand zur Halbzeit durch ein negatives Splitting von 30 Sekunden mehr als wettgemacht!

Jetzt schleiche ich erstmal in den Verpflegungsbereich und laufe jede Fressstation gefühlte zweimal an, so hungrig und durstig bin ich. Nach gut 5 Minuten kommen dann auch die Schmerzen in Füßen und Beinen durch, das Adrenalin ist verschwunden.
Danach geht's ab durch die Schwanzparade zu den Massenduschen, und anschließend verhafte ich ein 300-Gramm Tenderloin für 30 Taler in einem Steakhouse. Das habe ich mir auch verdient!

Fazit:
Ein rundum gelungener Marathon. Durch das langsamere Tempo auf den ersten 15 km, bedingt durch eine Startposition zu weit hinten in meinem Block, habe ich rein theoretisch zwar eine oder zwei Minuten verloren, aber wer weiß - vielleicht hätte ich ohne diesen "Schongang" gar nicht so gut abgeschnitten?

Meine vorherige Bestzeit habe ich zumindest um 24:55 Minuten verbessert - eat this, Hamburg! Meine "Rache für Hamburg" ist somit vollstreckt. Wobei ich auch sagen kann, dass ich aus meinen Fehlern in Hamburg gelernt habe, und meinen Respekt vor der Marathondistanz wiedererlangt habe. ;)

Einziger Wermutstropfen: Auf den ausgehängten Ergebnislisten kann ich keinen André Pollmächer entdecken, der sich heute mit einer 2:12h für Olympia qualifizieren wollte. Das trübt leider die Freude über mein tolles Ergebnis, ich hätte es ihm nach der langen Vorbereitung zu sehr gegönnt.

Zur Vollständigkeit hier noch meine HM-Splits:
1.) 1:37:36
2.) 1:37:06
Gesamt: 3:14:42

Den GPS-Track samt Pulsdiagramm reiche ich in Kürze nach. Ich sitze nämlich gerade im ICE zurück nach Hannover. :)
Hier wie versprochen der GPS-Track auf Endomondo: Link. Leider mag der Garmin keine Wolkenkratzer, daher hat er 900m zuviel gemessen. Entsprechend stark schwanken die KM-Zeiten, die zudem oftmals auch viel zu schnell sind. Brauchbar dabei ist hingegen der Pulsverlauf, bei dem man sehr schön sieht, wie hart es am Ende wurde. Mit 170 Puls über die Ziellinie!

Und nun geht es in die Regenerationsphase des Winters. Mal gucken, ob ich bereits 2012 die 3:00h-Marke angreifen kann, oder ob der Sprung zu krass ist.

Links:
Ergebnis auf der offiziellen Seite

Sonntag, 2. Oktober 2011

Halbmarathon Neumünster, Teil 2

Der Osterlauf Neumünster 2011 war einer der ersten Einträge in meinem Blog. Damals lief ich bei sehr widrigen Bedingungen eine 1:33:46 in meinem ersten Halbmarathon.

Viel Zeit und Training ging ins Land, und heute fand bei abermals sehr widrigen Bedingungen der 43. Volkslauf Neumünster statt. Und abermals sorgten die widrigen Bedingungen für keine gute Zeit.

Zunächst die Ergebnisse im Vergleich:
Datum Ergebnis Tempo Puls Platzierung
23.04.2011 1:33:46 4:26 min/km 162, max 167 25. (von 119)
02.10.2011 1:33:16 4:25 min/km 165, max 169 8. (von 61)

Im Vorfeld fühlte ich mich nicht besonders gut, ich hatte tags vor dem Wettkampf wieder einmal leichte Wassereinlagerungen in den Füßen, mein Gewicht lag knapp 2,5 kg über normal (76 statt 73,5). Entsprechend früh ging ich zu Bett, um mich bei acht Stunden Schlaf möglichst gut zu regenerieren. Um 06:15 Uhr war es aber vorbei mit der Nachtruhe, als mein Wecker klingelte.

Mein Gewicht hatte sich leider nicht mehr großartig verbessert, auch das Wasser war noch in den Beinen. Wenn mein Körper eine Regenerationsphase bekommt, schwemmt er erstmal auf, um die Trainingsschäden zu reparieren. Mal schauen, ob ich das noch irgendwann besser in den Griff bekomme. ;)

Um 10 Uhr fiel in Neumünster der Startschuss. Ich hatte mich aufgrund von leichten Verspannungen im rechten inneren Oberschenkel etwas besser warmgelaufen, da das geplante Tempo sonst etwas weh tat. Davon war nach dem Startschuss aber nichts mehr zu spüren, und ab ging die Post.

Zunächst lief ich in einer kleinen Gruppe, die aus ungefähr vier Läufern bestand, und die ziemlich exakt mein Tempo lief. "Prima", dachte ich mir, "die können mich ruhig etwas ziehen". Es war zwar so gut wie windstill, aber in einer Gruppe läuft es sich trotzdem am angenehmsten.

Leider schwächelte einer nach dem anderen, und nach knapp 5 km musste ich aus der Gruppe ausscheren und alleine das Tempo weiterlaufen. Mich hat im gesamten Verlauf des Rennens dann auch niemand mehr überholt, und auch ich habe niemanden mehr überholen können.

In anderen Worten: Gut 16 km lief ich mutterseelenallein, in der heute erbarmungslosen Sonne. Eine äußerst seltene meteorologische Wetterlage "lässt Europa schwitzen", wie selbst der SPIEGEL berichtet.

Bis Kilometer 10 konnte ich ein halbwegs akzeptables Tempo halten, was jedoch bereits etwas unter meinem geplanten Tempo von 4:14 min/km lag. In der zweiten Hälfte des Laufs ging es kontinuierlich abwärts mit dem Tempo, jeden Kilometer verlor ich ein paar weitere Sekunden.

Den 20. Kilometer lief ich gar nur in 4:49 Minuten. Lächerlich, aber bei der Hitze war absolut nichts mehr drin, ich war schon am Überhitzen.

Im Stadion auf der Ehrenrunde bis zum Zieleinlauf gab ich noch ein wenig Gas, um auf jeden Fall noch meine bisherige Bestzeit zu unterbieten, was mir mit 30 Sekunden auch gelang.

Anschließend saß ich erstmal 10 Minuten im Schatten und trank Wasser, um wieder ein wenig abzukühlen. Selbst jetzt, um 20 Uhr abends, habe ich noch leichte Kopfschmerzen von der Hitze (trotz Schirmmütze!).

Fazit:

Heute sollte es nicht sein, mein (vielleicht eh noch etwas zu hoch gestecktes) Ziel von 90 Minuten zu schlagen. Weder das Wetter noch meine körperliche Verfassung ließen das zu.

Aber mit einem durchschnittlichen Tempo von 4:25 min/km bin ich nun doch ein wenig unzufrieden. Vor einigen Wochen lief ich in einem Tempolauf im Training über 18 km ein 4:19 min/km Tempo, was ich auch noch locker hätte drei Kilometer weiter schaffen können. Und heute, im Wettkampf, bin ich so viel langsamer.

Langsam ärgert es mich, dass das Laufen so extrem wetterabhängig ist. Vielleicht sollte ich einfach mehr Wettkämpfe laufen, dann habe ich vielleicht auch mal etwas Glück.

Alle meine Wettkämpfe seit dem Start 2010 waren bislang Hitzeschlachten:
Ich kann nun nur hoffen, dass nach sechs Hitzewettkämpfen in Folge der Frankfurt-Marathon am 30. Oktober zur Abwechslung mal kein heißer Tag wird...

Allen anderen Läufern kann ich nur den Tipp geben, an keinen Wettkämpfen teilzunehmen, an denen auch ich teilnehme - das werden nämlich alles Hitzeschlachten! ;)

Links:

Donnerstag, 15. September 2011

Der Weg zurück zur Form nach Krankheit

Nachdem mich die Erkältung wirklich schwer getroffen hat, musste ich eine lange Zwangspause von neun Tagen ohne Laufen einlegen. Diese Pause hat mich ganz schön zurückgeworfen!

Als ich am Zehnten Tag wieder eine vorsichtige kleine Runde lief, war der Infekt zwar raus (38er Puls vor dem Loslaufen draußen auf der Straße), aber insgesamt verlief der Lauf sehr zäh, und mich plagten fast drei Tage lang übelster Muskelkater! Unglaublich. Vor der Erkältung 100km pro Woche geballert, und jetzt nach popeligen 13 km Muskelkater wie ein totaler Anfänger.

Die Trainingseinheiten der folgenden Woche waren allesamt Quälerei. Das Tempo langsam, der Puls hoch, die Stimmung im Keller.

Den langen Lauf am vergangenen Wochenende, eigentlich geplant mit 35 km, habe ich nach 29,5 km abgebrochen, nachdem ich zuvor die letzten 10 km mit mehr als 160 Puls gelaufen bin - bei nun wirklich eher langsamen 5:45 min/km. Welch eine Schmach.

Vergangenen Dienstag hatte ich 17 km Tempolauf, Tempo: 4:32 min/km. Vor der Erkältung lief ich ein 4:19 min/km Tempo, und zwar über 18 km. Habe ich wirklich 13 Sekunden pro km abgebaut, oder ist mein Körper einfach noch nicht ganz auf dem Damm? Ich muss sagen, der Lauf hatte mich ziemlich verunsichert.

Am heutigen Donnerstag sollte die die nächste Tempoeinheit folgen: 17x400m mit je 200m Temporeduktion.

Leicht demotiviert startete ich also das Training, nichts Gutes erwartend. Immerhin war das Wetter sehr angenehm, knappe 16 bis 17 Grad und trockene Luft, nahezu windstill.

Laut Plan sollte ich 1:36er Runden laufen, und die Trabpause über 200m sollte "nicht zu langsam" sein. Ziel war es ja auch, über die insgesamt 10.000m eine möglichst schnelle Endzeit zu erreichen.

So quälte ich mich also Runde für Runde, bis die 10.000m erreicht waren.

Wieder zuhause und frisch aus der Dusche, wertete ich die Rundenzeiten aus, und stellte (positiv) überrascht fest, dass ich ingesamt 37 Sekunden schneller über die 10.000m war, als im letzten Training: 42:40 Minuten standen zu Buche.

Zwar waren die Rundenzeiten im Schnitt 0,5 Sekunden langsamer als im letzten Training, jedoch habe ich mehr als 3 Sekunden je 200m-Pause eingespart. Das macht auch Sinn, denn die Pausen fand ich im letzten Training zu lang.

Hat sich damit nun endlich der Knoten gelöst? Habe ich meine "alte Form" wieder? Wohl noch nicht ganz, wenn man das Wetter mit in Betracht zieht (letztes Training: 22 Grad und schwül wie in der Waschküche, heute 17 Grad und trockene Luft).

Mein Trainingsstand wird sich vermutlich spätestens in 16 Tagen zeigen, wenn ich in Neumünster den Halbmarathon laufe. Eigentlich hatte ich mir ja ein 4:15 min/km Tempo vorgenommen, um die 90 Minuten zu knacken. Aber dass das klappt, mag ich noch nicht so recht glauben.

Hauptsache aber, zum Frankfurt-Marathon am 30. Oktober habe ich wieder alle Systeme regeneriert und kann meine Form unter Beweis stellen, und die 3:20 Stunden unterbieten.

Zum Schluss noch die Auswertung meiner bisherigen 17x400m-Trainings, um die Leistungsentwicklung im Blick zu haben:


Runde09.03.2011 06.04.2011 03.08.2011 15.09.2011
1.1:42,34 (1:02,61)1:35,65 (0:56,48)1:36,02 (0:57,80)1:36,94 (0:52,86)
2.1:40,39 (1:04,34)1:36,57 (0:57,85)1:35,07 (0:57,63)1:33,75 (0:54,28)
3.1:40,77 (1:06,33)1:37,40 (0:59,21)1:34,58 (0:58,42)1:34,66 (0:56,16)
4.1:44,80 (1:06,73)1:36,69 (1:00,80)1:35,10 (0:58,88)1:35,29 (0:54,89)
5.1:41,17 (1:08,16)1:40,38 (1:05,77)1:33,75 (0:59,85)1:35,05 (0:57,22)
6.1:41,49 (1:06,99)1:40,13 (1:04,20)1:34,67 (0:59,55)1:34,35 (0:56,25)
7.1:42,22 (1:10,52)1:40,87 (1:07,68)1:34,85 (0:58,25)1:35,65 (0:57,28)
8.1:41,22 (1:07,78)1:41,32 (1:06,20)1:35,35 (1:00,24)1:35,00 (0:58,75)
9.1:42,77 (1:09,93)1:41,40 (1:06,13)1:35,41 (1:00,38)1:35,90 (0:57,52)
10.1:46,22 (1:07,42)1:42,45 (1:05,07)1:34,12 (1:02,39)1:36,53 (0:58,70)
11.1:45,98 (1:10,87)1:43,45 (1:05,73)1:36,94 (0:59,75)1:37,07 (1:00,95)
12.1:42,50 (1:09,96)1:43,27 (1:05,06)1:36,02 (1:03,97)1:38,05 (0:58,86)
13.1:44,12 (1:09,92)1:44,64 (1:06,33)1:38,53 (1:02,65)1:37,78 (0:59,39)
14.1:45,35 (1:11,80)1:44,68 (1:07,15)1:38,88 (1:02,72)1:38,85 (0:59,82)
15.1:47,05 (1:15,70)1:43,16 (1:07,08)1:38,37 (1:04,26)1:39,78 (0:58,67)
16.1:48,30 (1:13,88)1:43,98 (1:06,61)1:37,74 (1:05,03)1:36,78 (1:00,85)
17.1:47,101:38,041:30,121:35,52
10.000m47:4745:4143:1742:40
Ø 400m1:43,751:40,831:35,621:36,29
Ø 200m1:08,931:04,211:00,740:57,67